Künstler
Ossenberg, Ursula
Am Forsthaus 5
65719 Hofheim

Tel.: 06192-21624

Biographie
Geboren am 20.4.1941 in Kochel am See, Oberbayern, Studium der Germanistik und Romanistik in Tübingen Hochzeit 1966, Tod des Ehemannes 1971, 1968 Umzug nach Frankfurt, seit 1969 Unterricht am Gymnasium Hofheim, Deutsch und Französisch, seit 1980 dazu Kunst, seit 1992 in Pension, danach Vorträge zu künstlerischen Themen und Führungen im Museum Hofheim


Referenzen
Dass Kunst erst so spät der Mittelpunkt meines Lebens sowohl im Beruf wie im Privaten wurde, liegt an der rabiaten und schließlich erfolgreichen Umerziehung der Linkshänderin zum Gebrauch der rechten Hand.

Ausgestellt habe ich bisher nur im Rahmen der Fachschaft Kunst, einmal im Rathaus Hofheim, unter dem Titel „Kunst-Lehrer-Kunst“, zum andern während des Hessentages in Hofheim in den Räumen der Gymnasialen Oberstufe, Arbeiten von Schülern und Lehrern, und zur Feier meines 70. Geburtstags für eine Nacht im kleinen Raum des Hofheimer Museums.

Thesen

Auf der Suche nach der stimmigen Metapher

Die gelbe Senkrechte

oder: Durch die eigene Mitte aufstehen
Öl auf Leinwand, 50 x 70 1986

Zentrum meiner Arbeiten, Nabel um den sich alles dreht, Höhepunkt, Gipfel, und damit zugleich Wende:

Durch die eigene Mitte aufstehen - es war ein langer Prozess, ausgehend von dem Zurückweichen, dem Bogen, den mein Körper über dem toten Geliebten formt, verkrampft im Bemühen ihn festzuhalten. Es ist Versuch, Suche nach der eigenen Selbständigkeit.- der Versuch der Ablösung von dem „Geliebten“.

15 Jahre habe ich gebraucht, um mich aus dem Bogen aufzurichten. Es brauchte viele Bildversuche, um schließlich die richtige Metapher, die richtige Hieroglyphe zu finden. Ergebnis ist eine Fülle von Bildern des Bogens und der Senkrechten, der Triumph der gelben Senkrechte und immer wieder die Vergewisserung.

Gelb die Farbe, die mir unsympathisch war, grell, schrill voller Neid und Eifersucht, die sich wichtig machte. Und jetzt ist die Farbe warmes Licht.

Unter der Fontäne sieht man blaue Spuren, wohl ein verworfener Versuch, eindeutig ein Bogen zu erkennen. Die Vergangenheit ist also gegenwärtig. Sie gibt dem Bild den Anschein von Raum oder Tiefe.

Die fast verschwundene Vergangenheit schafft Raum und, wenn man das Bild richtig liest, also als Bild einer Linkshänderin, so stützt das Blau den ersten Schritt, ermöglicht also auch Zukunft.

II Varianten oder die Geschichte einer Metapher

Die vielfältigen Varianten des Themas zeigen die Komplexität dieses Vorhabens- Aufstehen, Stehen, Standhalten, den Kontakt zu sich selbst nicht verlieren und Bedrohung und Wirren durch den Kontext.

Stehen ist der Ausgangspunkt. Dadurch Gehen habe ich selten versucht. Wichtig ist die Begegnung, variiert mit mehreren, mit Schritten. Oft fügt sich der Bogen dazu, der z.B. zwei sich Begegnende umfasst – als bergende Liebe, aber vielleicht auch als Beengung. Als Schutz vor dem oder Auseinandersetzung mit dem Rundherum. Oder es ist der Aufbruch in einen Raum, einen nicht klar definierten Raum, der in unbestimmbarem Licht endet.


Solche Geschichten zu erzählen ergibt dann ganze Reihen, Serien von kleinen Zeichnungen. Und sie kehren immer wieder, müssen auf Stimmigkeit und Veränderungen überprüft werden.

Zur Klärung von Themen ist es auch wichtig, Format und Technik zu variieren sowohl, was die Farben, das Malmaterial wie den Malgrund anbetrifft

Allen gemeinsam ist, dass die Arbeit an der Metapher sie immer weiter reduziert, abstrahiert, minimalisiert, bis hin zum Verschwinden.
Oft sind die Dinge nur halb. Ist die Wahrnehmung selbst schon nur unvollständig, oder entziehen sich die Dinge dem Begreifen, der Erkenntnis, oder sind sie als Ganzes nicht erträglich, zu gewaltig? Oder ist die Idee der Ganzheit ein an der Wirklichkeit vorbeigehender Wunschtraum? Zumindest räumliche Dinge sind schon in der Wahrnehmung immer nur halb. Man muss um sie herumlaufen, um sie mit den Augen zu erfassen.

Malen heißt, die Metapher finden, die die Frage beantwortet oder zumindest das Problem sichtbar macht. Dazu muss alles Ablenkende entfernt werden: die dadurch verlorene Eindeutigkeit - wenn die Geschichte fehlt – ist reizvoll. Zeichen, Metaphern sind oft unsinnig, wenn sie aus dem Kontext genommen sind. Die Reduktion enthält die Gefahr der Beschädigung und des Verschwindens der Dinge.

Jetziges Hauptmotiv ist eigentlich längst vertraut: der Bogen mit einer oder mehreren Senkrechten, also den Metaphern für Aufstehen oder und Begegnung, so zur Liebesmetapher geworden, der Bogen jetzt als Schutz, nicht völlig geschlossen, damit er nicht Gefängnis wird und Kontakt mit dem Außen bleibt. Unterdessen füllt er sich oft mit Unruhe, wird auch durchquert, eingefangen – mal Auseinandersetzung, mal Verwirrung von Innen oder Bedrohung: die Bedeutung der Umwelt wächst.

Die Bilder sagen mehr, als ich mit Worten kann.

Mitglied im Verein seit 30.04.2012

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